Nein, ich bin kein Pessimist
Die Welt ist wirklich so schlecht. Jeder ist sich selbst der Nächste.
Wenn mich etwas wirklich quält und bedrückt, dann sind das meistens Dinge, die ich ertragen muß weil ich sie nicht ändern kann. Alles andere erledigt sich früher oder später, weil ich dann doch meinen faulen Hintern hoch bekomme und etwas gegen den Störfaktor unternehme.
Über diese wirklich üblen Dinge, die ich nicht ändern kann, rede ich auch nicht. Reden ändert nichts. Und ich bin der Meinung, dass sich sowieso niemand für das Unglück anderer Leute interessiert, höchstens aus Sensationsgier, aber niemals, um Hilfe anzubieten (es sei denn, das Unglück ist weit weg und man kann die Hilfe per Online-Überweisung bequem erledigen).
Letzte Woche habe ich mir dann ernsthaft ins Gewissen geredet: Wie soll mir denn jemand helfen, wenn ich niemandem erzähle, was mich quält?
Also habe ich die Probe gemacht. Ich habe zwei Menschen, die mir nahe stehen, von dem Problem erzählt. Und die Reaktion war identisch: Nach nur wenigen Minuten erzählten mir beide ganz schrechkliche Geschichten aus ihrem Leben.
Ehrlich gesagt hatte ich schon eine etwas andere Reaktion erwartet. Dass das “Du und Dein Leben interessieren mich einen feuchten Kerricht, nur ich und meine Probleme sind wichtig” so schnell und deutlich zum Ausdruck gebracht wird, habe ich nicht gedacht.
Aber nun weiß ich auch, warum ich meistens nur kuhäugig-dumme Blicke ernte, wenn mir jemand von einem Problem erzählt und ich meine Hilfe anbiete. Das ist gegen die Norm.
Nein, enttäuscht bin ich nicht. Es hat sich ja nichts verschlimmert, im Gegenteil, ich weiß nun, dass ich mit meiner Strategie, einfach den Mund zu halten und nur noch Bla-Bla zu reden, richtig liege.
Auf die tollen Belehrungen, wie “man” das Leben zu sehen und zu nehmen hat, hätte ich jedoch gut verzichten können. Hatten sie doch mit mir und dem, was ich erzählt habe, so gar nichts zu tun.
Aber das kenne ich ja schon.
P.S. Ich werde niemals Homo Faber lesen. Es reicht mir, dass ich nun schon drei Tage lang Texte aus diesem Buch abtippen darf. So was soll vorbildhafte Literatur sein? Aber Uwe Johnson, den wir damals im Abi hatten, war noch graußliger. Das Buch hab ich nach der Abi-Prüfung feierlich verbrannt.
Wapiti :: 3. Oktober 2005 :: Das Leben :: 8 Kommentare »






