Wie es manchmal so passt
Heute ist Blutspende-Termin in Winterbach, und natürlich gehe ich hin und spende, so wie immer zu den Terminen in meiner Nähe.
Und ausgerechnet heute stieß ich zufällig (oder auch nicht zufällig) auf diesen Artikel.
Ich hab ihn jetzt drei Mal gelesen. Ich hab geschaut, ob er wirklich aktuell ist. Ich hab mehrmals nachgesehen, ob heute vielleicht der erste April ist und das ein übler Scherz.
Doch es scheint tatsächlich so zu sein, dass in Deutschland Homosexuellen das Blutspenden gesetzlich verboten ist.
Ich bin sprachlos und entsetzt.
Nachtrag:
Hier gehts zur Homepage des Vereins “Schwules Blut”
Und hier sind zwei Zitate von dort:
Damit das Transfusionsgesetz immer auf dem aktuellen Stand ist, hat der Gesetzgeber die Regelungen in die Hände der Bundesärztekammer, des Robert-Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts gelegt. Diese drei Institutionen entscheiden in regelmäßigen Sitzungen über die geltenden Bestimmungen - z.B. über die Aufnahme oder Streichung von Risikogruppen. Trotz der im Bereich Statistiken (Vgl. Magisterarbeit) belegten Fakten klassifizieren sie Schwule nach wie vor generell als Risikogruppe, und scheren damit jeden Einzelnen über den gleichen Kamm: Jeder Schwule hat demnach häufig wechselnde Sexualpartner, mit denen er ohne Gummi fickt - pardon, ungeschützten Geschlechtsverkehr hat. Außerdem läuft ja auch jeder Schwule mit einer rosa Federboa durch die Stadt oder trägt wahlweise ein Ledercappie. Keine Frage natürlich: Alle haben AIDS. Wie einfach die Welt doch ist!
Der Verein “Schwules Blut” setzt sich dafür ein, dass Schwule nicht mehr kategorisch als Risikogruppe von der Blutspende ausgeschlossen werden. Denn:
* Nur 1% aller homo- bzw. bisexuellen Männer hat tatsächlich eine HIV-Infektion
* Rund die Hälfte aller homo- bzw. bisexuellen Männer leben in einer festen Partnerschaft ohne ständig wechselnde Sexpartner
* Mehr als 70% aller homo- bzw. bisexuellen Männer mit wechselnden Geschlechtspartnern haben ausschliesslich Safer Sex mit Kondom, sind von einem Infektionsrisiko praktisch ausgeschlossen. Dieser Wert ist konstant seit 17 Jahren gleich hoch, während die Verwendung von Kondomen unter Heterosexuellen seit 2003 kontinuierlich sinkt, und unter 70% zu fallen droht. (Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)
Und hier noch ein Video zum Thema. Stammzellenspende ist auch verboten für Schwule. Dabei wird vor der eigentlich Spende so ein langer und ausführlicher Gesundheits-Check durchlaufen, der schließt so gut wie jedes Risiko aus (ich weiß das, ich hab das erst letztes Jahr selbst durchlaufen).






huhu Wapiti,
ich wollte vor Jahren auch mal Blut spenden….
durfte ich nicht…
das letzte Piercing bzw Tattoo war noch kein Jahr alt.
Als ich dann fragte wie sie denn kontrollieren wollen ob ich mir nach nem Jahr nich wieder was stechen lasse, bekam ich zur Antwort, das man die Tattoos/Piercings zählt, notiert und halt immer wieder nachzählt…
Ich hab dann verzichtet….
LG Pe
danke für die vielen guten hinweise. und überhaupt dafür, dass du das thema ansprichst.
der herr k
Krass, dass wusste ich nicht. Vielen Dank für den Beitrag, ich bin auch geplättet und sprachlos.
Grüße Conny
[…] Verschlagwortet mit blut, Homophobie, homos, Vom anderen Ufer Dass Homophobie in der bundesdeutschen Gesellschaft ein existentes und wieder zunehmendes Phänomen ist, zeigt Wilhelm Heitmeyer in der neuesten Ausgabe der „Deutschen Zustände“ (Infos hier). Ein Ausdruck von Homophobie ist die Tatsache, dass schwule Männer kein Blut spenden dürfen. Der Ausschluss von Personen über ihre angebliche Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, die als Minderheit konstruiert und dann mit schlechten Eigenschaften versehen wird, ist zwar ein immer wieder wahrzunehmender Prozess, der dadurch aber nicht legitimiert sein kann. Dass Schwule kein Blut spenden dürfen liegt daran, dass sie angeblich ein promiskes Sexualverhalten hätten und daher das Risiko, dass Menschen dieser Gruppe sexuell übertragbare Krankheiten hätten, größer sei. Dass hier eine unzulängliche Verallgemeinerung stattfindet, liegt auf der Hand: weder kann mit Sicherheit gesagt werden, dass schwule Männer ein Sexualverhalten haben, das weniger sicher ist, als das von Heterosexuellen, noch kann gesagt werden, dass es keine Heterosexuellen gibt, die ein angeblich unsicheres Sexualverhalten haben. Es kann also davon ausgegangen werden, dass der Ausschluss schwuler Männer vom Blutspenden schlicht eine diskriminierende Praxis darstellt. Ein besonders krasser Fall ist aus aus Schottland bekannt geworden: Der 21-jährige Dij Bentley, der sich selber als schwul beschreibt, durfte seiner todkranken Mutter kein Blut spenden. Diese starb daraufhin, weil sie das dringend benötigte Spenderblut nicht bekam. Spätestens hier wird die Unsinnigkeit von bestimmten Regeln oder Ordnungen deutlich. Weitere Informationen und die Möglichkeit, sich zu engagieren, gibt es beim Verein Schwules Blut. Und was Homophobie angeht – da fällt mir nur dieses Lied ein: […]